Wörterbuch rheinischer Alltagssprache

Mäkes

Erklärung

'Schnellrestaurantkette mit dem goldenen M': "Komm, wir gehen nach Mäkes."

Makrittel

Erklärung

(Betonung auf der 2. Silbe)' frecher, ausgekochter Junge oder Mann, Schlitzohr', auch als Diminutiv "Makrittelche." Verbreitet im Raum Aachen.

Malääse

Erklärung

"Maläse" 'Schwierigkeit, blöde Situation': "Die ganze Mälääse hätten wir nich, wenn der sich nich eingemischt hätte."

"Wat ne Malääse!" sagt man, wenn etwas gründlich schief gegangen ist.

"Die Maläse mit dem seim Auto: et is mehr in der Wärkschtatt, als wi op der Straße" für dauerhaften Ärger oder dauerndes Versagen.

malad

Erklärung

'krank, übel, erschöpft, kaputt' (eigentlich nicht richtig krank und nicht richtig gesund): "Isch bin malad. Der is so malad, der kommt nich aus dem Bett. Mann, nach dem Joggen war ich heute morgen so was von malade, ich konnt kaum noch stehen."

Manchmal können auch Sachen malad sein: "Die Kiste is malad, die kann ich verschrotten."

Selbst Haare sind manchmal "malad", dann sind sie schon ergraut: "Ming Haar is schon malad."

malen

Erklärung

in der Wendung "wie gemalt" 'sehr schön, ideal passend, wunderbar': "Ich hab jetz ma dat neue Haus von den Kindern gesehen, dat liecht ja wie gemalt! Dat sieht ja aus, wie für mich gemalt!" und in der Wendung "muss/kann man malen" 'kaum zu finden/bekommen, schwer hinzukriegen': "Dem Stina muss man nen Mann malen, sons findt die keinen. Nu mach ma un entscheid dich für ein Pullover, dat is hier bloß en Kleiderladen, gemalt kriss de da keinen. Sonne Wohnung wie du wills musse dir malen, kaufen kan man die nich."

Text

Die meisten Menschen sprechen im Alltag kein gestochenes Hochdeutsch, sondern eine mehr oder weniger ausgeprägte Umgangssprache, auch Regiolekt genannt. Sie kann durchaus noch nahe an der Standardsprache sein, oder auch erkennbare dialektale Einflüsse haben. Immer ist sie aber deutlich von der Hochsprache unterschieden, die man in der Regel nur in ganz bestimmten Situationen, etwa in der Schule oder beim Bewerbungsgespräch spricht.

Das ist im Rheinland nicht anders als in Bayern oder Berlin, auch wenn der Abstand zur Standardsprache jeweils größer oder kleiner ist. Auch in Aachen, Köln, Duisburg oder Kleve spricht man ein rheinisch gefärbtes Deutsch, das ein für Außenstehende deutlich erkennbares Identifikationsmerkmal ist. Nur ist die Umgangssprache, anders als die Hochsprache, keine geschriebene Sprache.

Das Problem ist: Über die Standardsprache kann man sich in vielfältigen Wörterbüchern informieren, die alle aus den Werken berühmter Dichter:innen, aus Tageszeitungen oder Zeitschriften kompiliert sind. Umgangssprachliche Wörterbücher dagegen sind sehr selten, denn hier kann man keine schriftlichen Quellen auswerten, sondern ist auf die Sprecher:innen selbst angewiesen. Kein Wunder, dass zum Beispiel alle großen regionalen Dialektwörterbücher wie das Rheinische oder Pfälzische, mehrere Jahrzehnte bis zu ihrer Vollendung gebraucht haben, weil man auf mühselige und aufwendige Fragebogenerhebungen angewiesen war.

Um dies zu ändern, hat sich der ehemalige LVR-ILR Sprachwissenschaftler Peter Honnen Anfang der 2000er Jahre etwas ausgedacht: das Rheinische Mitmachwörterbuch. Die Idee: Mithilfe des Internets sollten die Sprecher:innen mit ihm zusammen ein Wörterbuch der rheinischen Umgangssprache erstellen. Von 2007 bis 2019 konnten Wortvorschläge, am besten mit Bedeutungsangabe und Beispielsatz, auf der Homepage eintragen werden, diese wurden dann umgehend von Peter Honnen gesichtet und veröffentlicht. Zu bestehenden Worteinträgen konnten dann in Kommentaren Informationen ergänzt werden, so war es zum Beispiel von großem Interesse, an welchen Orten überall ein bestimmtes Wort bekannt ist. So ist über die Jahre ein stattliches Wörterbuch herangewachsen: Etwa 4.500 Wörter sind darin nun verzeichnet. Eine solch umfangreiche Dokumentation des alltagssprachlichen Wortschatzes einer Region, die auch noch von den Sprecher:innen selbst angefertigt wurde, ist einmalig im deutschen Sprachraum. Wir danken allen Beitragenden, die über die Jahre das Projekt unterstützt und bereichert haben und freuen uns, dass der Wortschatz der rheinischen Umgangssprache in diesem Online-Wörterbuch nun hervorragend dokumentiert und für jede:n zugänglich ist!