Rückblick auf den 8. Kongress der IGDD

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Im September 2025 machte sich das PALAVA-Team des LWL und des LVR auf den Weg nach Berlin zum 8. Kongress der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen e.V. (IGDD). Das Besuchen von wissenschaftlichen Kongressen ist nicht nur für die Weiterbildung wichtig, sondern auch für den fachlichen Austausch untereinander und für das Knüpfen von Kontakten. Die IGDD beschäftigt sich mit regionalen Varietäten des Deutschen und in diesem Jahr drehte sich die Veranstaltung um das Rahmenthema „Dialekte im urbanen Raum“. Dialektolog:innen aus verschiedenen Ländern kamen zusammen und stellten ihre Forschungsergebnisse vor. Auch das Team der Sprach-App PALAVA präsentierte neue Erkenntnisse, aber dazu später mehr.

 

Die Veranstaltung war gefüllt mit spannenden Vorträgen, welche die Vielfalt der Dialektforschung widerspiegeln. Es wurden unter anderem Projekte zur Wahrnehmung von Dialekten, zu lautlichen Besonderheiten, Minderheitssprachen und Mehrsprachigkeit, Syntax (Satzbau), Morphologie (Wortform und Wortbildung) und Lexik (Wortschatz) vorgestellt. Dabei wurde von Varietäten aus unterschiedlichsten Regionen berichtet: Diese reichen von Thüringen, Berlin, Wien, Bern, Nordost-Italien, bis hin zu Ontario in Kanada, um nur ein paar zu nennen. 

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Tagungsposter
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Tagungsposter | © Internationale Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen e.V.

Ein Vortrag beschäftigte sich beispielsweise mit der Verwendung des Wortes holen im Rhein- und Moselfränkischen in Kontexten, in denen man im Standarddeutschen nehmen sagen würde (Rauth 2025). So holt man jemanden im Auto mit anstatt diese Person mitzunehmen oder man holt es, wie es kommt anstatt es zu nehmen, wie es kommt. Das Wort holen übernimmt in diesen Fällen die Bedeutung von nehmen

 

In einem anderen Projekt wurde untersucht, welche Ereignisse den individuellen Sprachwandel einer Person über das Leben hinweg beeinflussen können. Dabei wurde gezeigt, dass zum Beispiel der Eintritt in den Ruhestand mit einem verstärkten Gebrauch von Dialekt in Verbindung gebracht werden kann (Wirtz & Pickl 2025).

 

Die Sprachwissenschaftler:innen Dr. Charlotte Rein vom LVR und Timo Schürmann vom LWL stellten ebenfalls neugewonnene Erkenntnisse aus der Regionalsprachenforschung vor. Sie hielten einen Vortrag über die Ergebnisse der Sprach-App PALAVA mit dem Titel „Zugänge zur Sprache des Ruhrgebiets mittels App-Daten“. Nach einer Erklärung von Merkmalen des Ruhrdeutschen folgten die Ergebnisse der Masterarbeit unserer ehemaligen Kollegin Gina Reinhard. Darin wurde betrachtet, wie lautliche Phänomene (z. B. die Aussprache von Oma und Opa mit einem Kurzvokal), morpho-syntaktische Phänomene (z. B. die Übergeneralisierung des s-Plurals, wie in Jungens) und lexikalische Phänomene (den Wortschatz betreffend) zusammen auftreten und Raumstrukturen bilden. Die Daten zeigen, dass die traditionellen Dialekträume auch in regionaler Umgangssprache noch sichtbar sind. Darüber hinaus erscheint das Ruhrgebiet als ein Übergangsgebiet bei syntaktischen Phänomenen.

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Dr. Charlotte Rein stellt Ergebnisse aus der PALAVA-App vor.
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Dr. Charlotte Rein stellt Ergebnisse aus der PALAVA-App vor. | © Verena Krautwald, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte

Wenn Sie neugierig geworden sind und zur Sprachforschung beitragen wollen, können Sie die App PALAVA kostenfrei in allen App-Stores herunterladen, um Fragen über Ihren Sprachgebrauch zu beantworten. Damit unterstützen Sie, dass die Umgangssprachen in NRW noch besser untersucht werden können und neue Erkenntnisse auf Kongressen wie diesem vorgestellt werden können. 

 

Insgesamt bot die Veranstaltung allen Teilnehmenden spannende Einblicke in die verschiedensten Bereiche der Dialekt- und Regionalsprachenforschung. Bei regem Austausch klang der Kongress bei einem gemeinsamen Abendessen in einem Berliner Lokal aus. Und so nimmt das PALAVA-Team das neugewonnene Wissen über die sprachliche Vielfalt deutschsprachiger Dialekte und Regiolekte am nächsten Tag mit zurück nach NRW.

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Der Fokus des Vortrags liegt auf den Daten des Ruhrgebiets, hier präsentiert von Timo Schürmann.
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Der Fokus des Vortrags liegt auf den Daten des Ruhrgebiets, hier präsentiert von Timo Schürmann. | © Verena Krautwald, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte