Fußball spielen

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Fußball gilt als eine der beliebtesten Sportarten in Deutschland. Man kann den Profis im Fernsehen und Stadion zuschauen oder selber über den Platz laufen – entweder im Verein oder spontan mit Freund:innen. Um das laienhafte Fußballspielen außerhalb eines Vereins geht es in Frage 15 des Dialektfragebogens 9 aus dem Jahr 2011. Wir wollten von Menschen aus dem Rheinland wissen, wie sie es nennen, wenn man in der Freizeit Fußball spielt.

Im ganzen Rheinland ist das Verb bolzen verbreitet. Es hat den gleichen Ursprung wie das Substantiv Bolzen, das einen dicken Metallstift und das Geschoss einer Armbrust bezeichnet (mhd. bolz(e), mnd. bolte, ahd. bolz(o) ‚Bolzen, Pflock‘): Es geht zurück auf westgermanisch *bulta-, das seinerseits aus der indogermanischen lautmalerischen Verbwurzel *bhelH- ‚tönen, dröhnen‘ entstanden ist. Der Bolzen wurde also nach dem Ton, den er beim Einschlagen abgibt, benannt. Daraus hat sich im 16. Jahrhundert das Verb bolzen mit der Bedeutung ‚kräftig schlagen, hämmern‘ entwickelt. Erst Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine Übertragung aufs Ballspielen. Zur Verbreitung kann auch der Ausdruck holzen für ‚roh Fußball spielen‘, natürlich in Anlehnung an Holz, beigetragen haben.

Vereinzelt wurde pöhlen genannt: in Weeze-Wemb, Homberg, Kempen, Bergisch Gladbach-Paffrath, Hennef und Bonn-Pützchen. Es handelt sich also nicht um ein regional abtrennbares Gebiet. Laut einer Umfrage im Atlas der deutschen Alltagssprache wird pöhlen häufig im Ruhrgebiet verwendet. Der Ursprung dieses Wortes ist nicht abschließend erklärt, kann aber durchaus eine Parallele zu bolzen darstellen: pöhlen ‚pfählen‘ fehlt die Zweite Lautverschiebung im Anlaut, anders als der standarddeutschen Entsprechung. Ein Pfahl ist ebenso wie ein Bolzen in dessen ursprünglicher Bedeutung ‚Pflock‘ ein massiver Holzstab. Semantisch, also bezüglich der Bedeutung, sind bolzen und pfählen also vergleichbar, daher kann eine ähnliche Entwicklung hin zu ‚laienhaft Fußball spielen‘ erfolgt sein.

Aus einigen Orten wird kicken gemeldet: Krefeld-Benrad, Düsseldorf-Eller, Golkrath bei Erkelenz, Heinsberg-Oberbruch, Tüddern, Jülich, Köln-Sürth, Wesseling, Bornheim-Hemmerich und Mechernich-Vussem. Zwar sind auch diese Orte teils weit voneinander entfernt, aber es fällt auf, dass das Wort im Kleverländischen nicht verwendet wird. Man muss sich nicht mit Dialekten auskennen, um kicken entschlüsseln zu können, denn es stammt aus dem Englischen und wird auch im Standarddeutschen verwendet. Entlehnt wurde das Verb mit der Bedeutung ‚treten‘ im 20. Jahrhundert. Belegt ist es schon im Mittelenglischen als kyken, doch die genaue Wortgeschichte ist unklar.

Nicht immer muss es ein ganz eigenes Wort sein: Foßball spille, also die dialektale Form von Fußball spielen, sagt man unter anderem in Heinsberg-Randerath, Linnich, Wipperfürth-Wipperfeld, Lindlar, Köln, Bornheim, Hellenthal-Schwalenbach und Blankenheim-Freilingen.

Am Niederrhein heißt es linksrheinisch hingegen futballe. Das t beweist einmal mehr, dass die Zweite Lautverschiebung die Dialekte des Niederrheins nicht erfasst hat. Statt zwei Wörtern hat man sich hier auf ein einzelnes beschränkt, das zudem an die niederländische Entsprechung voetballen ‚Fußball spielen‘ erinnert. Im Niederländischen ist es ein normaler Prozess, ein Substantiv durch das Anhängen der Endung -en zu einem Verb zu machen (zum Beispiel tennis ‚Tennis‘ ~ tennissen ‚Tennis spielen‘).

Im Raum Mönchengladbach herrscht die Variante penge vor. Das Bedeutungsspektrum dieses Dialektwortes reicht von ‚mit Gewalt mit dem Hebel zwängen‘ (zum Beispiel einen Keil) über ‚quetschen‘ und ‚prügeln‘ bis hin zu ‚eine Murmel treffen‘ und ‚Fußball spielen‘. Es gibt hier also auch einen Zusammenhang zu klobigen Werkzeugen, einem eher rabiaten Umgang miteinander und auch zur Lautmalerei (südniederfränkisch päng beschreibt ein knallendes Geräusch).

Gewährspersonen in den Kreisen Düren und Euskirchen melden flabben. Hierbei handelt es sich um eine Variante von flappen, einem Verb mit vielen Bedeutungen. Dazu gehört neben ‚schlagen‘ auch ‚Fußball spielen‘.

Die violetten Punkte, deren Erklärung in der Legende „andere“ lautet, markieren die Orte, aus denen verschiedene Ausdrücke gemeldet wurden. Hier sind einige davon:

Fußball stuete/stötte/stotte ist im Raum Heinsberg sowie im Selfkant bekannt. stuete und seine Varianten sind die dialektale Form von stoßen. Die gleiche Bedeutung hat fucken, das im Kreis Kleve Verwendung findet.

tredden/träe bedeutet ‚treten‘ – eine naheliegende Beschreibung für das Fußballspielen, die vor allem im zentralen Rheinland (unter anderem in Pulheim, Köln, Leverkusen, Bergisch Gladbach) bekannt ist. In dieser Region findet auch lappen Verwendung. Die Variante hängt mit dem Dialektwort Lappen zusammen, das auch ‚Ball‘ bedeuten kann. Das liegt daran, dass Spielbälle lange aus alten Lappen geformt wurden.

Der Wortursprung von kimme ist unbekannt. Dieses ungewöhnliche Wort wird in Dialekten am südlichen Niederrhein, insbesondere Krefeld, verwendet.

flatze/flatsche/flotsche ist ein weiteres lautmalerisches Wort, das auch die Bedeutung ‚Fußball spielen‘ annehmen kann. flatze wird vom Niederrhein (unter anderem Emmerich, Goch, Geldern) gemeldet, flatsche und flotsche aus dem zentralen Rheinland (darunter Düren, Euskirchen, Zülpich).

Sowohl am Niederrhein als auch im zentralen Rheinland (zum Beispiel Emmerich, Viersen, Alsdorf, Herzogenrath-Kohlscheid, Langenfeld) kennt man noch den Begriff fummeln, um laienhaftes Fußballspiel zu bezeichnen. Eine der vielen Bedeutungen dieses Verbs lautet ‚kräftig schlagen‘.

Eine Karte zu den Bezeichnungen für 'Fußball spielen' in der regionalen Alltagssprache im Rheinland gibt es hier.

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Bolze/pöhle | © LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, CC BY 4.0
Bildunterschrift
Bolze/pöhle | © LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, CC BY 4.0