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Namen

Namen ‒ kein Tag vergeht, an dem wir sie nicht brauchen. Wir sprechen Menschen mit ihren Vor- oder Familiennamen an, wir geben Adressen ins Navi ein oder beschreiben einen Weg. Namen sind sprachliche Universalien: Keine Sprache der Welt kommt ohne sie aus.

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Und doch sind sie häufig von Region zu Region sehr unterschiedlich, im Rheinland heißen Personen, Orte und Straße anders als in Bayern oder im Norden Deutschlands. Denn regionale Berufsbezeichnungen prägten viele Familiennamen (Faßbender, Küppers, Schmitz), naturräumliche Besonderheiten die Orts- und Straßennamen (Hangelar, Slousendyck, Winnekendonk) und von vielen Rufnamen gibt es typisch rheinische Kurzformen (Mia, Hennes, Pitter). Entdecken Sie diese Vielfalt auf den folgenden Seiten.

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Namengeber für einen ganzen Ort: Adelheidisbrunnen in Bonn-Pützchen | © Christian Pfropfreis, Dieter Schneemelcher, LVR-ILR
Name

Pütz

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Es ist ein typisch rheinischer Name: Nicht nur als Familienname, auch in Orts- und Straßennamen begegnet er oft.

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Ausschnitt aus dem Fragebogen 10 des ILR | © LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Name

Schluppe-Schäng-Straße

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In Jüchen galt es einen neuen Straßennamen zu vergeben. Da wurden die Ortsbewohner:innen sehr kreativ.

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Vor- und Familiennamen im Rheinland

Hätte der frühere Nationaltorwart Sepp Maier das Fußballspielen im Rheinland erlernt, hätte er vermutlich einen anderen Rufnamen erhalten. Er wäre dann wohl ähnlich wie die Mönchengladbacher Fußballlegende Jupp Heynckes gerufen worden – Sepp ist in Bayern üblich für Josef, Jupp im Rheinland. Häufig entwickel(te)n sich zu Vornamen regionale Varianten, die im Alltag statt der offiziellen Vornamen verwendet werden.

Und wer Jupp Schmitz heißt, wird nicht im Schwarzwald oder an der Ostsee geboren sein, sondern eher im Rheinland. Jede Region hat in der Vergangenheit 'typische' Familiennamen hervorgebracht; Schmitz ist der Inbegriff eines rheinischen Namens (daneben gibt es noch viele weitere regionaltypische Familiennamen im Rheinland).

Grundlage des Familiennamens Berchem: Bergheim | © Ing.-Geograph Boucher, gemeinfrei

Ortsnamen

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Ortsnamen sind oft seit Jahrhunderten belegt – in Urkunden, Rechnungsbüchern und alten Karten. Aufgrund des hohen Alters ist die häufig gestellte Frage "Wo kommt der Name her (und was bedeutet er)?" nicht immer einfach zu beantworten. Selbst bei Namen, die auf den ersten Blick verständlich zu sein scheinen, müssen volksetymologische Deutung und tatsächliche Bedeutung nicht übereinstimmen. So hat der im Rheinland vorkommende Flurname Blech nichts mit Metall zu tun, sondern bedeutet 'offener Platz, freie Stelle im Wald, kleine Parzelle'. Zur Klärung von Namensbedeutung und -herkunft ist daher immer ein Blick in die Sprachgeschichte und in historische Textquellen nötig.

Vivatsgasse in Bonn | © Charlotte Rein, CC BY-SA 4.0

Straßennamen

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Neben allgemeingültigen Benennungen wie Hauptstraße, Dorfstraße, Schulstraße oder Bahnhofstraße stehen Straßennamen regionaltypischer Variation, die in einigen Gegenden Deutschlands sehr viel häufiger (oder sogar ausschließlich) vorkommen, als in anderen. Dies kann daran liegen, dass eine Straße nach einem nahegelegenen Ort benannt ist. Andere regionalspezifische Straßennamen beruhen auf alten Flurnamen; diese sind häufig sehr alt und spiegeln daher oft noch mundartliche Wörter wider, die es im Hochdeutschen nicht gibt.

Nach der Flut: Wasservögel suchen in zurückgehendem Hochwasser der Sieg nach Nahrung | © Olbertz, CC BY-SA 3.0

Gewässernamen

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Namen von Gewässern (Hydronyme) sind oft die ältesten Namen einer Region, da insbesondere Namen von langen Flüssen früh in der Sprache der Umgebung bekannt waren. Zudem wurden sie weitaus häufiger in die Sprache neuer Siedler übernommen. Daher liegen die Wurzeln der Gewässernamen oft nicht in der Sprache oder der Mundart, die aktuell an den Ufern gesprochen wird, sondern in einer älteren Sprachform, in einer verwandten Sprache oder einem anderen Dialekt.

Kotten | © Basotxerri, CC BY-SA 4.0

Hofnamen

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Bei Hofnamen handelt es sich um eine sehr spezifische Gruppe von Namen; sie können als Bindeglied zwischen Ortsnamen (Toponymen) und Personennamen (Anthroponymen) angesehen werden. Zwar bezeichnen sie ein landwirtschaftlich genutztes Gebäude (Höfe, Katen, Kastelle, Kotten), häufig werden aber die Besitzer:innen des Hofes mit dem gleichen Namen bezeichnet oder der Hof ist nach seinen Besitzer:innen, deren Beruf oder nach bestimmten Eigenschaften des Hofes oder seiner Lage benannt worden. Welche historischen sprachlichen Beziehungen zwischen Besitzer:innen und Hof existieren, können nur historische Forschungen klären.